Deiner Bestimmung gedenke, mein Christ, wer du auch immer sein magst. Halte deshalb eine Weile inne auf deinem breit getretenen Lebenswege. Deiner Bestimmung gedenke, blicke vorwärts, wohin du strebst, schau zurück, woher du kommst, dich selber betrachte, was ist’s mit dir, was bist du, was sollst du, was willst du? Siehe, du wandelst täglich auf dem Wege zwischen deiner Wiege und deinem Grabe, von Wahrheit und Lüge umgeben, bald von Haß, bald von Liebe getrieben, bald Herr, bald Knecht, bald beides zusammen, auf und nieder schwankend in dem wechselvollen Leben in Glück und Unglück, in Leid und Freude, in Gutem und Bösem, wie Tag und Nacht sich treibend verdrängen und bald im Lichte dich zum Leben erwecken, bald in Finsternis dich in todähnlichen Schlaf versenken. Halte ein, mein Christ, stehe eine Weile stille, laß das bewegte Leben einmal an dir vorübergehen, damit dein Herz ruhiger werde und dein Verstand zu ernsterem Nachdenken sich anschicke. (KS 9, S.4)